Was die Giostra ist
Die Giostra del Saracino, das Sarazenenturnier, wird zweimal im Jahr auf der Piazza Grande ausgetragen: am Abend des vorletzten Samstags im Juni zu Ehren von San Donato, dem Schutzpatron der Stadt, und am ersten Sonntag im September zu Ehren der Madonna del Conforto. Porta Crucifera, Porta del Foro, Porta Sant'Andrea und Porta Santo Spirito schicken je zwei Reiter gegen den Buratto, den König von Indien, auf die Piazza, und das Stadtviertel mit den meisten Punkten holt die Goldene Lanze.
Für die Menschen aus Arezzo ist sie keine historische Nachstellung. Es geht um das Stadtviertel, in dem man aufgewachsen ist, um seine Farben und um die Zählung der Lanzen, über die das ganze Jahr diskutiert wird. Diese Zählung steht hier oben, nach jeder Giostra aktualisiert.
Wie man gewinnt
Jedes Stadtviertel hat zwei Reiter, und jeder bestreitet einen Ritt: Er galoppiert die lizza entlang, den Erdstreifen, der die Piazza diagonal durchquert, und trifft mit einer 3,55 Meter langen Holzlanze den Schild des Buratto. Auf dem Schild hängt eine Tafel, die in Felder geteilt ist: Die Mitte zählt 5 Punkte, die anderen 4 bis 1.
Sobald er getroffen ist, dreht sich der Buratto um die eigene Achse und lässt den Kriegsflegel kreisen, drei mit Leder überzogene Holzkugeln. Wer davon getroffen wird, verliert 2 Punkte, ebenso wer länger als 4,85 Sekunden braucht. Wer die Lanze bricht, verdoppelt seine Punkte, wer sie fallen lässt, verliert alle.
Nach den beiden Ritten gewinnt das Stadtviertel mit den meisten Punkten; bei Punktgleichheit entscheidet das Stechen. Die Goldene Lanze geht an den Vorsteher des siegreichen Stadtviertels. Die Anhänger des Stadtviertels tragen sie im Umzug bis zum Dom und dann zum Sitz des Stadtviertels, wo das Fest tagelang dauert.
Gewinnt ein Stadtviertel beide Giostre desselben Jahres, gelingt ihm der cappotto.
Die Woche der Giostra
Die lizza und der Buratto kommen eine Woche vorher auf die Piazza Grande, damit die Pferde proben können, und sieben Tage vorher wird im Rathaus die Reihenfolge der Ritte ausgelost. Am Donnerstag vor der Giostra im Juni und am Freitag vor der im September findet die Generalprobe statt, die provaccia: alles wie am echten Tag, aber ohne Kostüme und mit den Ersatzreitern. Es heißt, wer die provaccia gewinnt, verliert die Giostra.
In den zehn Tagen davor füllt jedes Stadtviertel seine Straßen mit Abendessen und Festabenden, bis zum Abendessen am Vorabend, das Glück bringen soll, mit mehr als tausend Menschen an der Tafel in jedem Stadtviertel. Am Tag der Giostra ziehen vor den Ritten die Fahnenschwinger, die Musiker und der historische Umzug mit mehr als dreihundert Kostümierten auf die Piazza. Der Herold verliest die Herausforderung des Buratto, und die ganze Piazza singt die Hymne.
Vom Mittelalter bis heute
In Arezzo wurden schon im Mittelalter Turniere geritten: Dante erwähnt die Turniere der Aretiner im XXII. Gesang des Inferno, und das älteste Zeugnis eines Turniers auf der Piazza Grande stammt aus dem Jahr 1260. 1535 beschloss die Stadt, zum Fest von San Donato gegen den Buratto anzutreten, und die Regeln, die für ein Turnier im Jahr 1677 geschrieben wurden, sind noch immer die Grundlage der heutigen Giostra.
Die heutige Giostra entstand am 7. August 1931, dem Fest von San Donato. Die erste bestritten fünf Stadtteile, und Porta Burgi gewann sie; im Winter darauf kehrte man zu den vier Stadtvierteln der alten Tore zurück, die bis heute antreten. Unterbrochen wurde sie von 1941 bis 1947 wegen des Krieges und des Wiederaufbaus und erneut 2020 und im Juni 2021 wegen der Pandemie. Insgesamt gab es außerdem fünf Sonderturniere außerhalb der üblichen Termine: das letzte 2016 anlässlich des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit.